Oct 25

3 Tipps für erschöpfte Eltern: So rockst du die Autonomiephase


Ein Beitrag von Birgit Gattringer 
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Du stehst vor einer fordernden und doch aufregenden Reise: Der Begleitung deines Kindes durch die Autonomiephase. Diese Zeit ist für Eltern und Kinder gleichermaßen bedeutend und herausfordernd. Vielleicht fragst du dich, was die Autonomiephase überhaupt ist und wie du dein Kind in dieser wichtigen Entwicklungszeit bestmöglich unterstützen kannst. Keine Sorge, du bist nicht allein. In diesem Artikel werden wir gemeinsam drei wertvolle Tipps erkunden, die dir helfen werden, deine Rolle als unterstützender Elternteil in dieser Phase zu verstehen und zu erfüllen. Lasst uns zusammen eintauchen, um das Vertrauen, die Selbstständigkeit und die Liebe deines Kindes zu fördern, während es den Weg zur Autonomie beschreitet.

Was ist die Autonomiephase?

Die Autonomiephase ist eine entscheidende Etappe in der kindlichen Entwicklung, in der Kinder ihre eigenen Fähigkeiten, Wünsche und Unabhängigkeit entdecken. Dieser Prozess beginnt typischerweise im Kleinkindalter und endet nie. Denn jeder Mensch strebt nach Autonomie. Im Alter von 2 bis ca. 4 und dann wieder in der “Wackelzahn Pubertät" und in der Pubertät fällt uns Eltern das Autonomiebestreben vermehrt auf. Während dieser Zeit möchten Kinder oft Dinge selbstständig tun, Entscheidungen treffen und die Kontrolle über ihr eigenes Leben ausüben.

Die Autonomiephase ist die Grundlage für das Selbstbewusstsein, die soziale Kompetenz und die emotionalen Fähigkeiten des Kindes. Es ist eine Zeit des Experimentierens, des Lernens aus Fehlern und des Aufbaus von Selbstvertrauen. Als Eltern ist es wichtig, diese Phase zu erkennen und einfühlsam zu unterstützen, da sie die Grundlage für eine gesunde persönliche Entwicklung legt.In den folgenden Tipps werden wir genauer darauf eingehen, wie du dein Kind in dieser aufregenden, aber manchmal auch herausfordernden Zeit begleiten kannst.

1. Aktives Zuhören und Kommunikation fördern

In der Autonomiephase ist eine offene und einfühlsame Kommunikation von entscheidender Bedeutung. Aktives Zuhören ermöglicht es dir, die Bedürfnisse und Gedanken deines Kindes besser zu verstehen. Hier sind einige Schritte, wie du das umsetzen kannst:

Aufmerksam zuhören

Nimm dir Zeit, um deinem Kind zuzuhören, ohne zu unterbrechen. Zeige durch deine Körperhaltung und Blickkontakt, dass du wirklich präsent bist.

Verbal bestätigen
Äußere dein Verständnis für die Gefühle oder Anliegen deines Kindes. Du könntest sagen: "Ich verstehe, dass du frustriert bist, weil das Spielzeug nicht funktioniert."

Fragen stellen

Ermutige dein Kind, mehr zu erzählen, indem du offene Fragen stellst. Zum Beispiel: "Kannst du mir mehr darüber erzählen, warum das für dich so wichtig ist?"

Praxisbeispiel:
Stell dir vor, dein Kind kommt nach Hause und ist sichtlich verärgert. Anstatt sofort Lösungen anzubieten, setzt du dich mit ihm hin, nimmst es in den Arm und fragst behutsam, was passiert ist. Dein Kind erzählt von einem Streit mit einem Freund in der Schule. Du hörst aufmerksam zu, nickst und sagst: "Es scheint, als hättest du einen schwierigen Tag gehabt. Möchtest du darüber sprechen?" Indem du aktiv zuhörst und einfühlsam reagierst, ermöglichst du deinem Kind, seine Gefühle auszudrücken und förderst so eine gesunde Kommunikation.

Die Fähigkeit, aktiv zuzuhören und effektiv zu kommunizieren, schafft eine unterstützende Umgebung, in der dein Kind Vertrauen aufbauen kann, um sich in der Autonomiephase sicher und verstanden zu fühlen.

2. Selbstständigkeit fördern

Die Förderung der Selbstständigkeit ist ein Schlüssel zur erfolgreichen Begleitung deines Kindes in der Autonomiephase. Beachte jedoch, dass du dein Kind nicht in die Selbstständigkeit schieben solltest. Biete immer auch großzügig deine Hilfe und deine Unterstützung an. Denn selbstständig zu werden, erfordert in der Entwicklung des Kindes enorme Kapazitäten. Hat dein Kind keine Ressourcen mehr, weil der Tag schon aufregend und anstrengend genug war, dann beharre nicht auf die Selbstständigkeit. Hier sind einige Schritte, wie du dies erreichen kannst:

Verantwortlichkeiten übertragen

Gib deinem Kind Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die seinem Alter und seinen Fähigkeiten entsprechen. Dies könnte das Aufräumen des Zimmers, das Decken des Tisches oder das Anziehen ohne Hilfe sein. Achte hier darauf, ob dein Kind auch ausreichend Kapazitäten hat. Beobachte dein Kind und biete ihm gegebenenfalls deine Hilfe an: “Darf ich dir helfen?”

Ermunterung zur Entscheidungsfindung
Biete deinem Kind die Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen. Dies könnte die Auswahl von Kleidung, Spielzeug oder Aktivitäten sein. Du kannst beispielsweise fragen: "Möchtest du heute das rote oder das blaue T-Shirt tragen?"

Fehler akzeptieren
Lass dein Kind aus Fehlern lernen und ermutige es, Lösungen zu finden. Anstatt Fehler zu bestrafen, könntest du sagen: "Wir können aus Fehlern lernen?" " Was denkst du, können wir das nächste Mal anders machen?"

Praxisbeispiel: Dein siebenjähriger Sohn Lucas hat sich entschieden, seine Schultasche alleine zu packen. Morgens bemerkst du, dass er seine Hausaufgaben vergessen hat. Anstatt ärgerlich zu sein, setzt du dich mit ihm hin und fragst: "Lucas, was denkst du, können wir tun, um sicherzustellen, dass du deine Hausaufgaben nicht vergisst?" Lucas denkt nach und schlägt vor, einen speziellen Platz für seine Hausaufgaben einzurichten, damit er sie nicht mehr vergisst. Du unterstützt seinen Vorschlag, und gemeinsam gestaltet ihr einen Hausaufgabenbereich.Durch die Förderung der Selbstständigkeit lernen Kinder, Verantwortung zu übernehmen und Problemlösungsfähigkeiten zu entwickeln. Sie gewinnen Selbstvertrauen und die Fähigkeit, unabhängig zu handeln.

3. Grenzen setzen und Sicherheit bieten

In der Autonomiephase ist es wichtig, klare Grenzen zu setzen, die deinem Kind Sicherheit und Orientierung bieten, ohne seine Eigenständigkeit einzuschränken. Hier sind einige Schritte, wie du das umsetzen kannst:

Klar kommunizieren
Bespreche mit deinem Kind klare Regeln und Erwartungen. Erkläre, warum bestimmte Verhaltensweisen wichtig sind und welche möglichen Probleme es geben kann, wenn es zu Regelverstößen kommt.

Konsistenz wahren
Halte dich an die vereinbarten Regeln und Pläne. Konsistenz gibt deinem Kind Verlässlichkeit und hilft ihm, Grenzen zu verstehen.

Ermutigung zur Selbstreflexion
Wenn dein Kind gegen Regeln verstoßen hat, ermutige es zur Selbstreflexion. Frage zum Beispiel: "Warum denkst du, hast du das getan?" " Gibt es eine bessere Möglichkeit, in Zukunft damit umzugehen?"

Praxisbeispiel: Du bemerkst, dass deine neunjährige Tochter Mia ihren jüngeren Bruder Max gehauen hat. Statt sofort zu schimpfen, nimmst du Mia beiseite und fragst einfühlsam: "Mia, was ist los? Kannst du mir erklären, was passiert ist?" Mia antwortet, dass Max ihr Spielzeug weggenommen hat, und sie sich deswegen sehr geärgert hat. Du nutzt diese Gelegenheit, um Mia zu ermutigen, ihre Gefühle zu verbalisieren, anstatt physische Gewalt anzuwenden. Du sagst: "Ich verstehe, dass du frustriert warst, gleichzeitig ist mir wichtig, dass wir friedlich miteinander umgehen." "Wie könnten wir das nächste Mal besser damit umgehen?" Mia denkt einen Moment nach und schlägt vor, dass sie in solchen Situationen zu dir kommen könnte, um um Hilfe zu bitten oder nach einer Lösung zu suchen. Wenn sie nicht selbst darauf kommt, dann hilf ihr dabei.

Indem du in diesem Moment klare Grenzen setzt und Mia dazu anregst, alternative Verhaltensweisen zu entwickeln, lehrst du sie, Konflikte auf respektvolle Weise zu lösen. Du zeigst ihr, dass du für sie da bist und sie unterstützt, ohne Gewalt anzuwenden. Dies fördert nicht nur ihre Selbstkontrolle, sondern auch ihre Fähigkeit, Konflikte auf eine gesunde und konstruktive Weise zu bewältigen. Indem du klare Regeln setzt und gleichzeitig einfühlsam auf Verstöße reagierst, gibst du deinem Kind Orientierung und Sicherheit. Es lernt, Verantwortung für sein Verhalten zu übernehmen und auch unangenehme Erlebnisse (Fehler) gut zu verarbeiten. Dies hilft ihm, in der Autonomiephase Vertrauen in sich selbst und die Welt um sich herum aufzubauen.

Fazit

Die Autonomiephase ist sehr entscheidend für die kindliche Entwicklung. Als Elternteil spielst du eine wichtige Rolle, um dein Kind auf diesem Weg zu begleiten. Nutze die Tipps, um Vertrauen und Selbstständigkeit zu fördern. Die Autonomiephase ist eine aufregende Zeit, in der du deinem Kind helfen kannst, zu einem selbstbewussten und unabhängigen Individuum heranzuwachsen - voller Liebe, Wertschätzung und vor allem Neugier auf das Leben.

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Zur Person
Birgit Gattringer ist Elterncoach, familylab-Trainerin nach Jesper Juul, Dipl. Mentaltrainerin und Dipl. Kinder- und Jugendmentaltrainerin. Sie ist selbst Mama von 2 Jungs und gibt ihr Wissen auf der Plattform StarkeKids weiter. Ihr Herzensthema ist es, ein harmonisches Umfeld für Kinder zu schaffen, in dem die Kinder selbstbewusst und stark für’s Leben heranwachsen können.

Website: starkekids.com
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