Dec 11

ZUKUNFTsorientierte Kita: Nachhaltige Entwicklung verstehen und umsetzen


Ein Artikel von Anna von Hacht
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Der erste Schritt, um eine Kita im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu führen, ist sich Wissen zu den Schlüsselprinzipien einer nachhaltigen Entwicklung anzueignen. Wir brauchen als Basis ein gemeinsames Verständnis.

Wesentliche Aspekte einer nachhaltigen Entwicklung

Nachhaltige Entwicklung setzt an eine Auseinandersetzung mit und Gestaltung von Zukunftsthemen an. Diese Zukunftsthemen umfassen globale Herausforderungen, die die Erde und die Menschheit weltweit gegenwärtig und zukünftig betreffen, wie beispielsweise Ernährung, Mobilität, Klimawandel oder Konsum.

Im Brundtland Bericht von 1987 wurde nachhaltige Entwicklung wie folgt definiert: Nachhaltigkeit ist eine Entwicklung, „die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“

Wichtige Aspekte sind dabei:

  • Global denken, lokal handeln
  • Partizipation und Kompetenzstärkung
  • Verantwortungsbewusstsein und Gerechtigkeitssinn
  • Kulturelle Vielfalt und Biodiversität
  • Vernetzung und Werteorientierung


Die Vereinten Nationen haben erkannt, dass eine nachhaltige Entwicklung nur durch eine internationale Zusammenarbeit möglich ist, und erfassen globale Zukunftsthemen mit den 17 Zielen einer nachhaltigen Entwicklung, wie zum Beispiel keine Armut, kein Hunger, bezahlbare und saubere Energie und Maßnahmen zum Klimaschutz. 

Bedeutsam ist, Fragestellungen zu diesen Zukunftsthemen aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Die Nachhaltigkeitsdimensionen Umwelt, Wirtschaft und Gesellschaft ermöglichen einen ganzheitlichen Blick und machen die Komplexität, die mit Zukunftsthemen verknüpft sind, deutlich.

Umweltperspektive

Das Zukunftsthema Wald, betrachtet durch die Nachhaltigkeitsdimensionen, verdeutlicht, wie vielschichtig der Wald ist. Die Umweltperspektive unterstreicht den Wald als einen wichtigen Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen. Gleichzeitig produziert er Sauerstoff und speichert CO2. Wir müssen diese Lebensräume schützen, um die Biodiversität zu erhalten.

Wirtschaftsperspektive

Aus der Wirtschaftsperspektive ist der Wald wichtig, da er uns vor allem die Ressource Holz liefert. Auch ist Wintersport, oder Wandern beispielsweise eine wichtige Einkommensquelle der Tourismusbranche mancher Regionen.

Gesellschaftsperspektive

Für die Gesellschaft ist der Wald als Erholungs- und Erlebnisraum wichtig. Hier geht es um emotionale Verbindungen zur Natur, um Gesundheit und auch um Kultur.
Deutlich werden die vielfältigen Interessen am Wald. Nachhaltige Entwicklung heißt, diese unterschiedlichen Perspektiven und Interessen ausgewogen abzuwägen und Kompromisse zu finden. Die verschiedenen Perspektiven zeigen auf, dass Nachhaltigkeit ökologische Fragen und auch Fragen zu Gerechtigkeit und sozialem Miteinander einschließt.  
Die sogenannten Nachhaltigkeitsstrategien greifen genau wie die Nachhaltigkeitsdimensionen die Komplexität einer nachhaltigen Entwicklung auf. Die Unterteilung in die Kategorien Suffizienz, Effizienz, Konsistenz und Gerechtigkeit bietet eine strukturierte Herangehensweise.

Effizienz

Wir konsumieren effizienter, indem wir zum Beispiel statt Glühbirnen LED-Lampen verwenden, so dass wir bei gleichem Nutzen weniger Ressourcenverbrauch unterstützen. Eine andere praktische Idee ist, anstelle vieler kleiner Flaschen und Verpackungen, (beispielsweise bei Produkten im Atelier oder in der Küche), größere zu kaufen, so dass weniger Verpackungsmüll anfällt. Die Überlegungen zur Ressourceneinsatz bieten Kindern Lerngelegenheiten, über Alternativen und Ressourcenschonung nachzudenken.

Konsistenz

Konsistenter zu konsumieren heißt, Produkte auszuwählen, die aus wiederverwertbaren, das heißt aus recycelten Materialien hergestellt wurden und somit keinen Abfall erzeugen. Der Gedanke der Kreislaufwirtschaft spielt hier eine Rolle.
Die Nachhaltigkeitsstrategien zeigen uns Wege auf, wie wir eine nachhaltige Entwicklung unterstützen und (mit-)gestalten können. So können wir unseren ökologischen Fußabdruck verringern, bewusster mit Ressourcen umgehen und einen Beitrag für mehr soziale Gerechtigkeit leisten.

Suffizienz

Die Strategie „weniger ist mehr“ ist die wohl einfachste Strategie. Das Zukunftsthema Konsum in einer Kindertagesstätte lässt sich strategisch beispielsweise so auffächern: Wir kaufen weniger Spielzeug, tauschen Produkte untereinander, wie beispielsweise Bücher oder Kleidung. Und bei der Anschaffung neuer Produkte wählen wir langlebige Produkte. Damit fördern wir die Wertschätzung für die vorhandenen Dinge und stärken die Kreativität der Kinder, wenn sie mit weniger Spielzeug auskommen müssen. Ein weiterer Handlungsansatz, zur Führung einer Kita im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung, liegt in der Pädagogik. 

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)

Bildung für nachhaltige Entwicklung setzt an die Wertebildung an. Ein Baustein ist die Schaffung von dauerhaften Bildungsanlässen, wie beispielsweise Abfalltrennsysteme, Upcycling-Projekte, ein Hochbeet, eine Bücher-Reparaturwerkstatt oder Kinderkonferenzen. Kinder übernehmen Verantwortung für ihre Umgebung und das Miteinander, wir stärken die Solidarität und Empathie und eine Wertschätzung der Dinge in der Welt. Gleichzeitig geht es bei BNE um die Auseinandersetzung mit (Wirkungs-)Zusammenhängen. In Bildungsprojekten oder alltäglichen Situationen kommen wir mit den Kindern zu Fragestellungen ins Gespräch, wie beispielsweise, wo kommt eigentlich unser Müll hin? Aus was besteht Käse? Was wird aus Bäumen hergestellt? Haben alle Kinder auf der Welt überall immer Strom? Unerlässlich ist eine Partizipation der Kinder, indem ihre Ideen zur nachhaltigen Entwicklung in die Kita eingebracht werden. Wir stärken damit das Bewusstsein und die Kompetenzen, die Kinder für die Gestaltung einer nachhaltigen Entwicklung brauchen. Durch eine BNE ermutigen wir Kinder, sich für eine gerechte und ökologische Welt einzusetzen.

Laut dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ist mit BNE „eine Bildung gemeint, die Menschen zu zukunftsfähigem Denken und Handeln befähigt. Sie ermöglicht jedem Einzelnen, die Auswirkungen des eigenen Handelns auf die Welt zu verstehen.” 

The Whole Institution Approach

Führung einer Kita im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung bedeutet auch Organisationsentwicklung und somit einen ganzheitlichen Blick auf die Kita. Eine gute Orientierung bietet dabei der „Whole Institution Approach“. Der Ansatz formuliert die Zielsetzung, Nachhaltigkeit auf verschiedenen Ebenen von Organisationen und Institutionen anzustreben und dementsprechend wirkungsvolle Maßnahmen und Strukturen zu installieren. Das bedeutet, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung auch aus der Pädagogik in weiteren Bereichen der Kita wirken kann. Es geht darum, auch die Lernumgebung der Menschen mitzudenken. Dafür bieten sich verschiedene Möglichkeiten:

  1. Die FORT- und WEITERBILDUNG des pädagogischen Personals in Bezug auf nachhaltige Entwicklungsziele auszurichten
  2. KOOPERATIONEN und PARTNERSCHAFTEN eingehen, die eine nachhaltige Entwicklung stärken
  3. Eine VERNETZUNG IM SOZIALRAUM anstreben und gemeinsam mit anderen lokal eine nachhaltige Entwicklung unterstützen
  4. Die Beschaffung und Bewirtschaftung nach UMWELTFREUNDLICHEN und SOZIALVERTRÄGLICHEN Standards auszurichten: zertifizierte Produkte wählen und REGIONALE LIEFERANTEN unterstützen.
  5. Die FÜHRUNGS- und TEAMKULTUR partizipativ und wertschätzend zu gestalten
  6. ELTERN über BNE informieren und zur MITGESTALTUNG einladen

Die Rolle der Führungskraft

Die Rolle der Führungskraft ist entscheidend für die Beteiligung und die Umsetzung von Maßnahmen im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Tragende Kraft ist eine eigene Auseinandersetzung mit Fragen einer nachhaltigen Entwicklung und eine positive und handlungsorientierte Haltung zu einer nachhaltigen Entwicklung. Auch hilft es, wenn wir persönliche Grenzen und eigene Schwierigkeiten in der Umsetzung aufdecken.

Eine Führungskraft kann eine sinnstiftende und inspirierende Vision zu einer nachhaltigen Kita entwerfen und mit den Menschen in der Kita teilen. Diese Vision kann das Team, Eltern, Kinder und andere Beteiligte inspirieren, motivieren und zu einem Austausch über ein gemeinsames Verständnis anregen. Nachhaltigkeit kann so Teamentwicklungsprozesse anregen und die gemeinsame Ausrichtung stärken.

Eine wertschätzende und regelmäßige Kommunikation zur Bedeutung und Umsetzung von Maßnahmen ist entscheidend. Auch der eigene Führungsstil sollte sich an Nachhaltigkeitsprinzipien wie beispielsweise Vielfalt, Wertschätzung, Respekt, Gerechtigkeit und Achtsamkeit orientieren.

Organisationsentwicklung und Changemanagement

In dem Begriff nachhaltige Entwicklung steckt das Wort Entwicklung. Es geht darum, die Kita als eine lernende Organisation zu sehen, in der bestehende Prozesse, Abläufe und Strukturen vor dem Hintergrund der eigenen Ressourcen und Entwicklungsmöglichkeiten weiterentwickelt werden. Nachhaltigkeit ist mehr als ein feststehendes Ziel, es ist ein fortlaufender dynamischer Prozess, der sich als Querschnittsaufgabe mit allen Bereichen der Kita verknüpfen lässt.

Entscheidend ist eine Anpassung der nachhaltigen Entwicklung an die individuellen Bedürfnisse, die Menschen und die Umgebung der jeweiligen Kita. Zu beachten ist auch, dass jede Kita andere strategische Schwerpunkte setzen kann, nachhaltige Entwicklung lässt diese Vielfalt zu, schafft einen breiten Rahmen für eigene Ideen. Eine ländliche Kita hat beispielsweise häufiger einen Schwerpunkt in der naturnahen und partizipativen Gestaltung des Außengeländes, während in einer städtischen Kita häufig kulturelle und soziale Fragen eine große Ressource sind. Die unterschiedlichen Schwerpunkte eröffnen die Möglichkeit, regionale Besonderheiten einzubinden und stärkenorientiert darauf zu schauen, was schon da ist und schon gelebt wird. Meine Erfahrung zeigt, dass Kitas häufig schon sehr nachhaltige Orte sind, ohne es so zu nennen.

Eine Kita im Rahmen einer Nachhaltigen Entwicklung zu führen, heißt auch Changeprozesse anzustoßen. Der gezielte Einsatz von Ansätzen des Changemanagements hilft dabei, effektive Veränderungen einzuführen. Das beinhaltet die Kommunikation und Maßnahmen im Veränderungsprozess gezielt zu planen, so dass beispielsweise Ziele klar definiert sind, ein Beteiligungsrahmen eine strukturierte Mitgestaltung ermöglicht und dadurch Widerstände gar nicht erst aufkommen.

Qualitätsentwicklung

Die Integration von Nachhaltigkeit und BNE kann einen erheblichen Beitrag zur Qualitätsentwicklung in Kitas leisten. Maßnahmen und Prozesse einer Bildung für nachhaltige Entwicklung können regelmäßig evaluiert werden. BNE stärkt durch eine ganzheitliche Bildung kognitive, emotionale, soziale und praktische Aspekte und regt vor allem die Entwicklung der Selbstwirksamkeit bei Kindern an. Bildungsziele bekommen durch BNE eine langfristige Ausrichtung und auch eine Bedeutung für die gesamte Entwicklung eines Menschen. Die Implementierung von BNE bietet die Gelegenheit zu einer umfangreichen Reflexion der pädagogischen Haltung und einer Weiterentwicklung des Konzepts.

Zusammenfassend wird deutlich: Nachhaltigkeit in Kitas betrifft alle Bereiche und ist ein integrativer Ansatz, der die gesamte Organisation einbezieht. Als Führungskraft bedeutet dies, die Chance zu ergreifen, eine sinnstiftende, werteorientierte und zukunftsorientierte Entwicklung der Kita zu begleiten. Jede Kita in ihrem eigenen Tempo und mit der Betrachtung ihrer Stärken.

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Zur Person
Anna von Hacht ist Dipl.-Sozialpädagogin und arbeitet als Supervisorin und freiberufliche Referent:in. Ihre Schwerpunkte sind Organisationsentwicklung und Bildung für eine nachhaltige Entwicklung in Kindertageseinrichtungen. Sie begleitet Kita-Teams bei der Implementierung von mehr Nachhaltigkeit in der gesamten Organisation. Außerdem berät sie pädagogische Führungskräfte bei der Leitung von Teams in Veränderungsprozessen.
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